Einem Pfeffersack auf der Spur: Jakob Fugger

Er war Kaufmann, Montan-Unternehmer, Bankier und ein Pfeffersack par excellence: Jakob Fugger (1459–1525). Das Finanzgenie aus Schwaben besaß einen schlichten und darin so aussagekräftigen Zweitnamen: der Reiche. 300 Milliarden Dollar wäre sein Vermögen heute wert, das sagen Schätzungen. Zum Vergleich: Das Vermögen von Bill Gates wird auf 110 Milliarden Dollar taxiert.
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Was – oder wer – ist eigentlich ein Pfeffersack? Ab dem 16. Jahrhundert wird der Begriff als abfällige Bezeichnung für einen reichen Kaufmann verwandt. Denn viele von ihnen gründeten ihren Besitz auf den Übersee-Handel mit Gewürzen, die im Mittelalter allumfassend mit „Pfeffer“ bezeichnet wurden. Auch im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm findet sich der Pfeffersack als „verächtliche Bezeichnung eines reichen Kaufmannes, eines Krämers, auch eines Emporkömmlings, eines neubackenen Adeligen, besonders wenn er aus dem Kaufmannstande ist“.

Trifft all das auf Jakob Fugger zu? „Jakob Fugger von der Lilie“ entstammte einer Augsburger Handelsfamilie, deren Unternehmungen er in wenigen Jahrzehnten gewaltig ausbaute. Das Familienvermögen gründete auf Baumwollhandel mit Italien, Finanzgeschäften mit den Habsburgern und der Kurie, dazu die Montan-Wirtschaft: Silber, Kupfer, Quecksilber, Zinnober. Ein europaweit agierender Konzern, zuweilen mit Monopolstellung. Als mächtiger Strippenzieher und „Königsmacher“ beeinflusste Jakob Fugger die europäische Politik maßgeblich. Indem er eine Grafschaft und weitere „Herrschaften“ erwarb, stieg seine Familie 1511 selbst in den Adelsstand auf.

Auch im Gewürzhandel, einem finanziell verlockenden, aber auch risikoreichen Geschäft, mischten die Fugger mit: An der ersten und einzigen Handelsfahrt deutscher Kaufleute nach Indien (1505/06), die sich einer portugiesischen Flotte anschloss, beteiligten sie sich ebenso wie 1525 an einer frühen spanischen Expedition zu den Molukken, den sagenumwobenen Gewürzinseln des heutigen Indonesien. Diese allerdings scheiterte und da die Fugger den Löwenanteil an der verlorenen Investition schultern mussten, entschied das Familienoberhaupt kurzerhand, Übersee-Experimente künftig bleiben zu lassen.

Dafür unterhielt sein Unternehmen bis weit ins 15. Jahrhundert hinein einen Handelsstützpunkt in Venedig. Die Lagunenstadt galt als gewinnträchtige Drehscheibe des internationalen Gewürzhandels. Von hier aus vertrieben die Fugger schwarzen Pfeffer aus Indien oder Zimtstangen aus Sri Lanka an all jene, die in Europa etwas auf sich hielten. Denn die kostbaren Gewürze schmeichelten nicht nur dem Gaumen, sie galten auch als Heilmittel und vor allem: als luxuriöses Prestigeobjekt.

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