Sterneküche für Automobilisten: Guide Michelin

Der Guide Michelin ist ein Restaurant- und Hotelführer. Einer mit Geschichte! Denn wer hätte gedacht, dass der legendäre, von Chefköchen gefürchtete Gastro-Guide einst als Werkstattführer für neumodische Automobilisten begann? pfeffer erzählt die ganze Geschichte.
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Und die beginnt im Jahre 1900: Der französische Reifenhersteller Michelin kommt auf die Idee, einen Wegweiser für Werkstätten herauszubringen. Seine Zielgruppe: die rund 3.000 Kraftfahrer, die es seinerzeit in Frankreich gab. Bei ihnen schlug der neue Guide auch direkt ein, gab er doch nicht nur hilfreiche Tipps zum Umgang mit Automobil und Reifen, er sammelte auch die noch rar gesäten Adressen von Werkstätten, Benzindepots und Batterieladestationen. Da für einen waschechten Franzosen zur automobilen Unternehmung auch ein adäquates Restaurant gehört, in das sich unterwegs einkehren, und ein anständiges Hotel, in dem sich anschließend nächtigen lässt, ist klar. Und so sprach der Guide Michelin auch Restaurant- und Hotelempfehlungen aus. Ein Erfolgsrezept, das sich bereits 1910 auf den deutschsprachigen Raum und bis heute über den ganzen Globus ausbreitete.

Entscheidend dafür war eine weitere Idee, die der Sterne. Sie verleiht der Gastro-Guide seit 1926 an herausragende Restaurants. Dabei bedeutet ein Stern, nach heutiger Lesart, „Eine Küche voller Finesse – einen Stopp wert!“. Zwei Sternen stehen für „Eine Spitzenküche – einen Umweg wert!“ und die seltenen drei Sterne für „Eine einzigartige Küche – eine Reise wert!“. Der Guide Michelin ist und bleibt also auf der Straße daheim. Ganz besonders wohl fühlen sich seine vielgereisten und noch mehr gefürchteten Restaurantkritiker, die „Inspektoren“, aber immer noch in Frankreich, speziell in Lyon. Der dort ansässige, legendär gewordene Spitzenkoch Paul Bocuse eroberte hier mit seinem Restaurant „L’Auberge du Pont de Collonges“ 1965 erstmals seine drei Michelin-Sterne. Seine Nachfolger wiederholen dies seither Jahr für Jahr.

Ein Restaurantbesuch à la Guide Michelin muss aber nicht unbedingt ins Geld gehen. In der Deutschland-Ausgabe 2019 gibt es – neu – den „Bib Gourmand“. Das Siegel kennzeichnet 424 Gaststätten, die durch ein besonders gutes Preis-Leistungs-Verhältnis auffallen. Alle Adressen finden sich online unter bookatable.de, dem Michelin-eigenen Such- und Reservierungsdienst.

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